Tief in unse­rem Inne­ren wis­sen wir es. Wir wis­sen, was Abtrei­bung ist“

Deut­li­che bischöf­li­che Reak­ti­on nach Aus­ru­fung eines „Tages der Wür­di­gung von Abtrei­bungs­an­bie­tern“ in Ore­gon: „Die moder­ne Kul­tur for­dert nicht nur Tole­ranz gegen­über Abtrei­bung, nicht nur Rechts­schutz, son­dern deren Fei­er.“ Von Petra Lor­le­berg, kath​.net

Port­land (kath​.net/pl) kath​.net doku­men­tiert die „Pas­to­ra­le Leh­re über die Hei­lig­keit des Lebens“ von Erz­bi­schof Alex­an­der K. Sam­ple vom Erz­bis­tum Port­land (US-Bun­des­staat Ore­gon) in vol­ler Län­ge. Der Erz­bi­schof reagiert damit auf die Pro­kla­ma­ti­on zur Unter­stüt­zung des „Abor­ti­on Pro­vi­der App­re­cia­ti­on Day“ [Tag der Wür­di­gung von Abtrei­bungs­an­bie­tern], den die Gou­ver­neu­rin von Ore­gon, Tina Kotek (Demo­kra­ti­sche Par­tei), am 10. März 2025 unter­zeich­ne­te hat­te – Arbeits­über­set­zung © kath​.net

Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von kath​.net geben wir die­sen Arti­kel hier in vol­ler Län­ge wieder.

Die Fei­er des Todes

Es gibt Momen­te, in denen Wor­te zu kurz grei­fen. Wenn der Ver­stand in den Abgrund starrt und kei­nen Boden mehr fin­det. Wenn nur noch eine Art fas­sungs­lo­ses Schwei­gen bleibt – ein Schwei­gen jener Art, die man emp­fin­det, wenn man erkennt, wie weit eine Kul­tur von der Rea­li­tät abdrif­ten kann.

Der „Abor­ti­on Pro­vi­der App­re­cia­ti­on Day“ ist einer die­ser Momente.

Nicht nur der Akt der Abtrei­bung selbst, son­dern sogar ihre WÜRDIGUNG. Die Idee, dass die­je­ni­gen, die ihren Lebens­un­ter­halt damit ver­die­nen, unschul­di­ges, unge­bo­re­nes Leben zu been­den, öffent­lich geehrt wer­den soll­ten. Dan­ke – Applaus.

Das ist nicht nur mora­li­sche Ver­wir­rung. Es geht um etwas Tie­fe­res. Eine Art spi­ri­tu­el­ler Blind­heit, die so tief­grei­fend ist, dass das, was eigent­lich selbst­ver­ständ­lich sein soll­te – das Wun­der und der Wert eines mensch­li­chen Lebens – völ­lig ver­schlei­ert wird.

Die gro­ße Täuschung

Die moder­ne Welt ist ein Meis­ter der Euphe­mis­men [sprach­li­che Beschö­ni­gun­gen]: Wir sagen nicht „Töten“ –wir sagen „Wahl“. Wir sagen nicht „ein Leben been­den“ – wir sagen „repro­duk­ti­ve Frei­heit“. Die­se Wor­te sind sorg­fäl­tig gewählt nicht um zu ent­hül­len, son­dern um zu ver­schlei­ern. Nicht um die Wahr­heit zu sagen, son­dern um sie schmack­haf­ter zu machen.

Denn tief in unse­rem Inne­ren wis­sen wir es. Wir wis­sen, was Abtrei­bung ist. Wir wis­sen, was sie bewirkt. Und wir wis­sen, dass kei­ne noch so gro­ßen Slo­gans oder juris­ti­schen Fach­be­grif­fe etwas Fal­sches wie­der­gut­ma­chen können.

Und doch besteht die moder­ne Kul­tur dar­auf, Tra­gö­di­en in Tri­um­phe zu ver­wan­deln. Sie for­dert nicht nur Tole­ranz gegen­über Abtrei­bung, nicht nur Rechts­schutz, son­dern deren Fei­er. Die Abtrei­bung muss geehrt und ver­ehrt werden.

War­um? Weil die Moder­ne das Wun­der des Lebens gegen Macht­stre­ben ein­ge­tauscht hat. Wenn ein Baby unbe­quem ist, muss es weg. Wenn es die Auto­no­mie beein­träch­tigt, muss es geop­fert wer­den. Ein Leben ist kein Geschenk mehr. Es ist ein Hin­der­nis, eine Last, ein Pro­blem, das gelöst wer­den muss.

Eine Welt ohne Wunder

Das pas­siert, wenn eine Kul­tur ihren Sinn für das Hei­li­ge ver­liert. Wenn sie die Exis­tenz nicht mehr als Wun­der betrach­tet, als etwas Gege­be­nes, etwas, das man mit Dank­bar­keit anneh­men muss. Statt­des­sen wird Leben zu einer Trans­ak­ti­on redu­ziert. Zu einer Ware, die ver­wal­tet wer­den muss. Und, wenn nötig, ver­wor­fen wird.

Die Spra­che von „Rech­ten“ und „Frei­heit“ in die­sen Gesprä­chen klingt edel. Doch wenn man die Rhe­to­rik weg­lässt, was bleibt noch übrig? Eine Welt, in der die Star­ken über das Schick­sal der Schwa­chen ent­schei­den. In der die Mäch­ti­gen die Macht haben, die Macht­lo­sen zu besei­ti­gen. In der der Wert des Men­schen an Bedin­gun­gen geknüpft ist – basie­rend auf Fähig­kei­ten, Auto­no­mie und Willkür.

Das ist kein Fort­schritt. Das ist Zusam­men­bruch. Eine Rück­kehr zum ältes­ten, dun­kels­ten Impuls der Mensch­heit: Macht geht vor Recht. Doch Nach­fol­ger Jesu haben sich die­ser Flut immer wider­setzt und ein­fach gesagt: Nein. Selig sind die Armen. Selig sind die Sanft­mü­ti­gen. Selig sind die Machtlosen.

Eine Theo­lo­gie des Todes

Täu­schen Sie sich nicht – dies ist eine spi­ri­tu­el­le Fra­ge. Das war schon immer so. Denn im Kern geht es bei Abtrei­bung nicht nur um Poli­tik, Recht oder gar Ethik. Es geht dar­um, wie wir die Rea­li­tät selbst sehen.

Ist das Leben ein Geschenk? Oder ein Unfall?

Ist ein Baby etwas, das man mit Ehr­furcht emp­fan­gen soll­te? Oder etwas, das man nach Belie­ben ver­wer­fen kann?

Ist Lie­be die Grund­la­ge des Uni­ver­sums? Oder ist ein­fach nur Macht sei­ne Grundlage?

Die Moder­ne hat sich für Letz­te­res ent­schie­den. Sie hat ein gan­zes Sys­tem – recht­lich, medi­zi­nisch, ideo­lo­gisch – auf der Prä­mis­se auf­ge­baut, dass man­che Leben mehr zäh­len als ande­re. Dass man­che ent­behr­lich sind. Dass die Star­ken die Bedin­gun­gen der Exis­tenz dik­tie­ren können.

Und doch bleibt die Wahr­heit bestehen. Sie lässt sich nicht voll­stän­dig aus­lö­schen. Das unge­bo­re­ne Kind ist nicht nur Gewe­be. Nicht nur eine Unan­nehm­lich­keit. Son­dern eine Prä­senz. Eine Rea­li­tät. Ein Leben.

Und dies ist der Grund, dass, egal wie laut­stark Abtrei­bung gefei­ert wird, sich dabei etwas… falsch anfühlt. Das Bedürf­nis, sie als gesell­schaft­li­ches Gut, als mora­li­sche Not­wen­dig­keit dar­zu­stel­len, offen­bart die Schuld unter der Ober­flä­che. Wäre Abtrei­bung wirk­lich nichts, müss­te sie nie­mand recht­fer­ti­gen. Nie­mand müss­te sie fei­ern. Die Tat­sa­che, dass sie als Fort­schritt ritua­li­siert wer­den muss, ist in sich selbst ein Ein­ge­ständ­nis ihrer Düsternis.

Ein ande­rer Weg

Doch das ist das Pro­blem mit der Dun­kel­heit – sie hat nicht das letz­te Wort.

Denn im Evan­ge­li­um geht es nicht um Ver­ur­tei­lung. Son­dern es geht um eine Ein­la­dung. Selbst für die­je­ni­gen, die Abtrei­bung gefei­ert haben. Selbst für die­je­ni­gen, die dar­aus pro­fi­tiert haben. Selbst für die­je­ni­gen, die sich selbst davon über­zeugt haben, dass Abtrei­bung mora­lisch irgend­wie gut ist.

Gna­de ist immer noch da. Ver­ge­bung ist immer noch möglich.

Jesus ruft immer noch: Tut Buße. Öff­net eure Augen. Tre­tet aus der Lüge her­aus und ins Licht.

Und vor allem: Ent­schei­det euch für das Leben. Nicht nur bio­lo­gisch, son­dern auch spi­ri­tu­ell. Ent­schei­det euch dafür, die Rea­li­tät so zu sehen, wie sie wirk­lich ist. Ent­schei­det euch dafür, das Geheim­nis, die Schön­heit, das Wun­der der Exis­tenz selbst anzunehmen.

Denn das Leben – jedes Leben – ist ein Geschenk. Und eine Welt, die das ver­gisst, hat ihre See­le verloren.

Mit freund­li­chen Grü­ßen in Christus
Alex­an­der K. Sample
Erz­bi­schof von Portland

Das Erz­bis­tum Port­land lie­fer­te in der Pres­se­aus­sendung als Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen noch fol­gen­de Eckdaten:
Am 10. März 2025 unter­zeich­ne­te die Gou­ver­neu­rin von Ore­gon, Tina Kotek, eine Pro­kla­ma­ti­on zur Unter­stüt­zung des „Abor­ti­on Pro­vi­der App­re­cia­ti­on Day“ und bekräf­tig­te damit das Enga­ge­ment ihrer Regie­rung für den unein­ge­schränk­ten Zugang zu Abtrei­bun­gen in allen Sta­di­en der Schwan­ger­schaft im Bundesstaat.

Laut den end­gül­ti­gen Auf­zeich­nun­gen der Ore­gon Health Aut­ho­ri­ty (OHA) aus dem Jahr 2023 ist die Abtrei­bungs­ra­te in meh­re­ren Kate­go­rien dra­ma­tisch gestiegen:
 — Höchs­te Anzahl an Abtrei­bun­gen seit 2009: Ore­gon ver­zeich­ne­te 2023 10.075 Abtrei­bun­gen, ein Anstieg von 16,2 % gegen­über 2022.
 — 165 % mehr Spät­ab­trei­bun­gen: Abtrei­bun­gen, die in der 23. Schwan­ger­schafts­wo­che oder noch spä­ter durch­ge­führt wur­den, stie­gen von 85 im Jahr 2022 auf 225 im Jahr 2023.
 — 60 % mehr Frau­en aus ande­ren Bun­des­staa­ten, die einen Schwan­ger­schafts­ab­bruch wün­schen: 1.661 Frau­en reis­ten 2023 für einen Schwan­ger­schafts­ab­bruch nach Ore­gon, ver­gli­chen mit 1.036 im Jahr 2022.

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